Bernhard Overberg

1754 - 1826

Lebensdaten

Bernhard Overberg wurde am 1. Mai 1754 als jüngstes von vier Kindern in Voltlage bei Osnabrück geboren und starb am 9. November 1826 in Münster. Seine Eltern waren arme, einfache Krämersleute. Sie mussten große Opfer bringen, um ihren Sohn in Münster Theologie studieren zu lassen. Am 20. Dezember 1779 empfing er dort die Priesterweihe. Anschließend übte er drei Jahre seinen Beruf als Kaplan in Everswinkel bei Münster aus. Weil er über hervorragende pädagogische Fähigkeiten verfügte, wurde er 1783 mit der Einrichtung und Leitung der Normalschule ( Schule für Lehrer ) in Münster beauftragt. Die Lehrer waren zur damaligen Zeit sehr schlecht ausgebildet und schlugen die Kinder häufig. Um die Ausbildung zu reformieren, ging er an diese Aufgabe „ernsthaft und doch milde, ohne Ehrgeiz, ohne Egoismus, bescheiden und voller Güte" heran. 42 Jahre lang leitete und erneuerte er die Schule für Lehrerbildung, und die Ideen dieses „Lehrers der Lehrer" wurden bald über die Grenzen des Münsterlandes bekannt und sind auch heute noch gültig. Als „Hauptunterstützung aller Ausbildung und Disziplin" betrachtete er die Religion. In jedem Menschen sah Overberg ein Kind Gottes, und er selbst empfand sich als ein Werkzeug Gottes im Dienste aller Menschen.

"Lehrer der Normalschule"

Was war die Normalschule?

Im 18. Jahrhundert waren die Lehrer, insbesondere die der Landschulen, gar nicht oder nur schlecht ausgebildet. Im Jahre 1763 gründete der Augustinerabt Johann Ignaz von Felbiger im schlesischen Sagan eine Lehrerbildungsschule, die er „Normalschule" nannte. Er erklärte den Namen so: „Diese Schulen heißen von dem lateinischen Worte norma darum Normalschulen, weil sie die Richtschnur, das Muster aller übrigen Schulen im Lande sind". In den Normalschulen wurde den Lehrern, die bereits in den Schulen unterrichteten, neue Unterrichtsmethoden beigebracht. Felbiger wurde von der Kaiserin Maria Theresia nach Wien gerufen, um auch in Österreich Normalschulen einzurichten. Von Österreich verbreiteten sich die Normalschulen bald über ganz Deutschland. Viele Normalschulen wurden später zu Lehrerseminaren.

Die Pädagogik Overbergs

Bernhard Overbergs neue Art zu lehren berücksichtigte die Eigenart des jungen Menschen und seiner jeweiligen Entwicklungsstufe, seine Anlagen und seine besondere Umgebung. Der Eigentätigkeit des Schülers beim Wahrnehmen, Beobachten und Denken, seiner Selbstbeobachtung und Selbstkritik maß Overberg hohe Bedeutung bei. Er stand für die Bildung des „ganzen Menschen" ein. Entschieden rückte er von der reinen Buch- und Memorierschule ab. Er räumte dem schriftlichen und vor allem dem mündlichen Gedankenaustausch, dem Lehr- und Unterrichtsgespräch großen Raum ein.

Er war Vertreter einer christlichen Sozialpädagogik, einer christlichen Erziehung und Bildung „vom Kinde aus".